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ZCP – Z-Chitosan Products Germany

Wissen · Werkstoff

Chitosan: Herkunft, Wirkung, Grenzen.

Stand Oktober 2026

Kurz gesagt

Chitosan ist ein Biopolymer, das durch Deacetylierung von Chitin entsteht, meist aus den Schalen von Krebstieren, daneben aus Pilzen und Insekten. Im sauren Bereich sind seine Aminogruppen positiv geladen, und in Laborstudien hemmt es dann Bakterien und Pilze. Bei neutralem pH verliert es Ladung und Löslichkeit, und die Wirkung von reinem Chitosan nimmt deutlich ab.

Dünner, transparent-gelblicher Chitosan-Film wird mit einer Pinzette von einer Glasplatte gehoben, Licht fällt hindurch
Symbolbild

Woher Chitosan stammt.

Chitin ist nach Cellulose eines der häufigsten Biopolymere (Younes & Rinaudo 2015). Es bildet das Gerüst von Krebstierschalen, Pilzzellwänden und Insektenpanzern. Aus allen drei Quellen lässt sich Chitosan gewinnen.

Vom Rohstoff zu Z-Chitosan: Herkunft & Pflanzenwirkstoffe

QuelleRohstoffBesonderheit
KrebstiereSchalen von Garnelen und Krabben, Nebenprodukt der LebensmittelindustrieHauptquelle; aus marinen Nebenprodukten werden jährlich mehr als 80.000 t Chitin gewonnen (Ghormade et al. 2017)
PilzeZellwände, z. B. von Aspergillus niger, Mucor rouxii oder Rhizopus oryzaegleichmäßigere Kettenlänge und hoher Deacetylierungsgrad beschrieben (Ghormade et al. 2017)
Insektenz. B. Puppenhüllen der Schwarzen Soldatenfliege aus der Insektenzuchtbis 25,5 % Chitin in den Puppenhüllen (Triunfo et al. 2022)

Vom Chitin zum Chitosan.

  1. 01

    Entmineralisierung

    Verdünnte Salzsäure (typisch 0,25–2 mol/l) löst das Calciumcarbonat der Schale; dabei entsteht CO₂.

  2. 02

    Entproteinisierung

    Natronlauge (typisch 0,3–2,5 mol/l, 65–100 °C) entfernt die Proteine. Zurück bleibt Chitin.

  3. 03

    Deacetylierung

    Konzentrierte Natronlauge bei erhöhter Temperatur spaltet Acetylgruppen ab. Aus Chitin wird Chitosan.

Temperatur, Laugenkonzentration und Dauer bestimmen Deacetylierungsgrad und Molmasse (Younes & Rinaudo 2015).

Die wichtigsten Eigenschaften.

Größetypischer WertBedeutung
Aufbauβ-(1→4)-verknüpftes D-Glucosamin und N-Acetyl-D-Glucosaminlineares Polysaccharid
Deacetylierungsgrad (DDA)typisch 60–95 %Anteil freier Aminogruppen, bestimmt die Ladungsdichte
Molmassein Studien z. B. 60–1.370 kDa (Wang et al. 2006)beeinflusst Viskosität, Filmbildung und Wirkung
pKa der Aminogruppenetwa 6,2–6,5, je nach DDA und Molmasse (Wang et al. 2006)darunter überwiegt die geladene Form –NH₃⁺
Löslichkeitlöslich in verdünnten Säuren, bei neutralem pH kaum (Rinaudo 2006)Verarbeitung meist aus saurer Lösung

Ladung über den pH-Wert.

Wie viele Aminogruppen geladen sind, lässt sich mit der Henderson-Hasselbalch-Gleichung abschätzen. Mit pKa 6,4 sind bei pH 5 rund 96 % geladen, bei pH 7 nur noch rund 20 %. Die Rechnung ist ein vereinfachtes Modell; bei Polyelektrolyten verschiebt sich der scheinbare pKa mit dem Ladungszustand.

3456789050100 pKa 6,4: 50 %pH 7,0: neutralpH 7,4: Blut sauer: gelöst, stark geladenneutral bis basisch: kaum gelöst, wenig Ladung
Modellhafte Darstellung

88,8 % protoniert

Anteil protoniert = 1 / (1 + 10^(pH − pKa))

Was sehe ich?
pHprotoniert (–NH₃⁺)ungeladen (–NH₂)
3,099,96 %0,04 %
4,099,6 %0,4 %
5,096,2 %3,8 %
6,071,5 %28,5 %
6,450,0 %50,0 %
7,020,1 %79,9 %
7,49,1 %90,9 %
8,02,5 %97,5 %
9,00,3 %99,7 %

Wie Chitosan wirkt: was die Literatur diskutiert.

Der Mechanismus ist nicht abschließend geklärt. Die Übersichtsarbeiten von Rabea et al. (2003) und Kong et al. (2010) beschreiben mehrere Wege, deren Anteil von Organismus, Molmasse und pH abhängt.

Ladung: Positiv geladene Ketten lagern sich an negativ geladene Zelloberflächen an, bei Gramnegativen an Lipopolysaccharid, bei Grampositiven an Teichonsäuren. Die Membran wird durchlässig, Zellbestandteile treten aus.

Chelatbildung: Chitosan bindet Metallionen, die Zellhülle und Enzyme brauchen.

Barriere: Hochmolekulares Chitosan kann einen Film auf der Zelle bilden, der den Stoffaustausch behindert.

Zellinneres: Für kurze Ketten wird eine Bindung an DNA diskutiert, die die Bildung von mRNA stört. Dieser Weg ist umstritten.

Das Wirkmodell in 3D: Zellhülle 360°

Literatur

Bekannte Grenzen von reinem Chitosan.

Die Wirkung hängt stark vom pH ab (Kong et al. 2010). Bei pH 7 ist nach der Modellrechnung nur rund ein Fünftel der Aminogruppen geladen, und Chitosan fällt aus der Lösung aus. Viele Einsatzorte, von Kunststoffoberflächen bis zum Blut, liegen in diesem Bereich.

Deacetylierungsgrad und Molmasse hängen von Rohstoff und Prozess ab (Younes & Rinaudo 2015), und beide beeinflussen die Wirkung (Younes et al. 2014). Chargen müssen deshalb spezifiziert und geprüft werden.

Die bekannten Krebstier-Allergene sind Proteine, vor allem Tropomyosin (Reese et al. 1999); Chitosan selbst ist ein Polysaccharid. In einer kleinen Studie vertrugen zehn Personen mit Schalentierallergie einen Chitosan-Wundverband ohne Reaktion (Waibel et al. 2011). Die Datenlage ist schmal; die Herkunft gehört deshalb offen auf jedes Datenblatt.

Die Empfindlichkeit unterscheidet sich zwischen Arten und Wachstumsphasen (Kong et al. 2010). Ergebnisse gegen einen Keim lassen sich nicht auf andere übertragen.

Pilz- oder Krebstier-Chitosan.

Beide sind derselbe Polymertyp und unterscheiden sich in Rohstoff, Gleichmäßigkeit und Allergenfrage. Die Patentschriften zu Z-Chitosan nennen keine Rohstoffquelle; Angaben zur Rohstoffquelle von Z-Chitosan erhalten Sie auf Anfrage.

MerkmalKrebstier-ChitosanPilz-Chitosan
RohstoffSchalen von Garnelen und KrabbenPilzbiomasse, z. B. aus Fermentation
Stellung am Marktetablierte Hauptquelleergänzende Quelle (Ghormade et al. 2017)
Gleichmäßigkeitschwankt mit Rohstoff und Prozessgleichmäßigere Kettenlänge beschrieben
AllergenfrageHerkunft aus Krebstieren deklarierenkeine Krebstierproteine

Was Z-Chitosan anders macht.

Z-Chitosan ist ein Einschlusskomplex aus Chitosan und mindestens einem Pflanzenextrakt, gebildet in Gegenwart eines Katalysators (US 11,708,424). Hergestellt wird es in einer mehrstufigen Emulsionsvernetzung und zu Pulver getrocknet; als Masterbatch kommt es in Kunststoffe, Polymere und Textilien (US 12,071,490).

Die Kombination von Chitosan mit Pflanzenextrakten beschreibt das US-Patent 11,708,424 B1 „Inclusion of chitosan and herbal extracts as an antimicrobial agent“, erteilt am 25.07.2023.

Welche Eigenschaften daraus unter Einsatzbedingungen folgen, zeigen Prüfungen am jeweiligen Material.

Für Ihr Produkt

Was das für Ihr Produkt heißt.

Klären Sie zuerst, in welchem pH-Bereich Ihr Produkt arbeitet. Für neutrale Umgebungen reicht die Lehrbuchwirkung von reinem Chitosan als Begründung nicht aus; es braucht Messdaten am fertigen Material. Fordern Sie außerdem eine Chargenspezifikation mit Herkunft, Deacetylierungsgrad und Molmasse an.

Häufige Fragen

Häufige Fragen.

Ihre Frage ist nicht dabei? Fragen Sie den Assistenten oder das Team.

Warum löst sich Chitosan nur im sauren Bereich?

Die Aminogruppen nehmen unterhalb ihres pKa von etwa 6,2 bis 6,5 ein Proton auf und werden zu –NH₃⁺. Die geladenen Ketten stoßen sich ab und binden Wasser, das Polymer geht in Lösung. Bei neutralem pH ist nur noch ein kleiner Teil geladen; die Ketten lagern sich zusammen und fallen aus.

Ist Chitosan aus Krebstierschalen ein Problem für Allergiker?

Die bekannten Krebstier-Allergene sind Proteine, vor allem Tropomyosin; Chitosan ist ein Polysaccharid. Wie viel Proteinrest bleibt, hängt von der Reinigung ab. Eine kleine Studie mit zehn Schalentierallergikern fand keine Reaktion auf einen Chitosan-Verband. Für eine allgemeine Aussage reichen die Daten nicht aus, deshalb wird die Herkunft immer offen angegeben.

Worin unterscheiden sich Pilz- und Krebstier-Chitosan?

Chemisch ist es derselbe Polymertyp aus Glucosamin und N-Acetyl-Glucosamin. Pilz-Chitosan stammt aus Zellwänden von Pilzen wie Aspergillus niger oder Mucor rouxii, enthält keine Krebstierproteine und wird mit gleichmäßigerer Kettenlänge beschrieben. Krebstier-Chitosan ist die etablierte Hauptquelle; seine Eigenschaften schwanken stärker mit Rohstoff und Prozess.

Quellen11
  1. Rinaudo M. (2006): Chitin and chitosan: Properties and applications. Progress in Polymer Science 31(7):603–632.
  2. Younes I., Rinaudo M. (2015): Chitin and Chitosan Preparation from Marine Sources. Structure, Properties and Applications. Marine Drugs 13(3):1133–1174. https://doi.org/10.3390/md13031133
  3. Wang Q. Z., Chen X. G., Liu N., Wang S. X., Liu C. S., Meng X. H., Liu C. G. (2006): Protonation constants of chitosan with different molecular weight and degree of deacetylation. Carbohydrate Polymers 65(2):194–201.
  4. Rabea E. I., Badawy M. E.-T., Stevens C. V., Smagghe G., Steurbaut W. (2003): Chitosan as antimicrobial agent: applications and mode of action. Biomacromolecules 4(6):1457–1465.
  5. Kong M., Chen X. G., Xing K., Park H. J. (2010): Antimicrobial properties of chitosan and mode of action: a state of the art review. International Journal of Food Microbiology 144(1):51–63.
  6. Younes I., Sellimi S., Rinaudo M., Jellouli K., Nasri M. (2014): Influence of acetylation degree and molecular weight of homogeneous chitosans on antibacterial and antifungal activities. International Journal of Food Microbiology 185:57–63.
  7. Ghormade V., Pathan E. K., Deshpande M. V. (2017): Can fungi compete with marine sources for chitosan production? International Journal of Biological Macromolecules 104:1415–1421.
  8. Triunfo M., Tafi E., Guarnieri A. et al. (2022): Characterization of chitin and chitosan derived from Hermetia illucens, a further step in a circular economy process. Scientific Reports 12:6613.
  9. Reese G., Ayuso R., Lehrer S. B. (1999): Tropomyosin: an invertebrate pan-allergen. International Archives of Allergy and Immunology 119(4):247–258.
  10. Waibel K. H., Haney B., Moore M., Whisman B., Gomez R. (2011): Safety of chitosan bandages in shellfish allergic patients. Military Medicine 176(10):1153–1156.
  11. US 11,708,424 B1: Inclusion of chitosan and herbal extracts as an antimicrobial agent (erteilt 25.07.2023). https://patents.google.com/patent/US11708424B1/en

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